Guten Morgen,
ich präzisiere: Allheilmittel für daheim wegen Lautstärke, Lernerfolg und Spaß.
Es kommt eben darauf an, was dabei heraus kommen soll und auch wie der Einzelne tickt.
Was dem einen Spaß macht, findet der andere doof. So ist das mit den Hobbies.
Natürlich kann man sich an ein Millenium setzen und feste glauben, das wäre so etwas wie ein Schlagzeug. Man kann auch das Roland-Flaggschiff kaufen und glauben, damit hätte man die Schlagwerkergruppe aus den hinteren Reihen des Orchesters einschließlich Kirchenglocke, Donnerblech, Sirene und Marimba gemütlich zusammengefasst leicht und digital (mehr Digitalisierung zur Rettung der Welt!) abrufbar.
Es funktioniert nicht.
Wenn man aber gerade als Anfänger sich ein Schlagzeug (drum-set) kauft und daheim im Keller an der weißen Wand dann erhofft, dass es so wie auf der Platte vom Lieblingsinterpreten klingt, dann ist die Enttäuschung auch erst mal traumatisch.
Je nachdem, wo die Reise letztendlich hin gehen soll, sollte man beginnen.
Und notfalls beginnt man einfach irgendwie und lernt aus Fehlern, letztendlich ist das ohnehin nötig, die Frage ist halt nur, wie viele Umwege man vorher schon vermeiden kann.
Als ich anfing, hatte ich das Ziel in einer (Rock-) Band (also so rund vier bis sechs Leute) zu proben und aufzutreten im lokal-regionalen Bereich. Folglich habe ich das Equipment geplant natürlich im engen Rahmen des Budgets. E-Drums waren damals keine Option. Heutzutage würde ich darüber nachdenken, allerdings bei gleicher Ausgangslage und dem aktuellen Kenntnisstand die Elektro-Option ablehnen.
Allerdings wurde ich auch recht schnell Mitglied der Schul-Big-Band, das wäre mit Besen auf mesh head lustig geworden und ich hatte auch schon immer ein Faible für große Dinge wie Orchester und vor allem Dynamik, den "Bolero" auf der Elektro-Snare stelle ich mir eher unlustig vor.
Synthetische Klänge waren in den 1980er und 1990er Jahren mal sehr en vogue, allerdings hat sich das nur in speziellen Genres dauerhaft durchgesetzt. Ich selbst finde sich auf Dauer sehr ermüdend und liebe echte Klänge. E-Drums können mir da überhaupt nicht helfen, auch die teuren nicht.
Durch die eingeschränkten Spielmöglichkeiten (ein Becken klingt nun mal ganz anders, wenn man es mit anderen Schlagwerkzeugen und an anderen Stellen anspielt und bei Trommeln ist das letztendlich auch so) können E-Drums praktisch nur mainstream abbilden oder eben Spezialklänge.
Im Akkordeon-Orchester habe ich auch schon das Elektronium Pauke spielen gehört.
Wenn man es nicht besser kennt, ok, aber das Ausklingverhalten ist praktisch nicht wirklich kontrollierbar, mit jeder Billig-Pauke geht das besser.
Ein Tam-Tam (Gong) kann klingen wie alles Mögliche.
Stelle ich das auf E-Drums ein, gibt es einen Klang und fertig. Die Variabilität geht komplett flöten.
Und dann wären die Kirchenglocken und Kanonen natürlich schön.
Aber: wenn es wirklich Alarm machen soll, braucht man auch eine Anlage (Lautsprecher!), die das abbilden können. Und dann wird es mit den Nachbarn endgültig lustig.
Wenn ich also Kirchenglocke und Kanone übe, dann mache ich das eben so, wie ich es anzuspielen habe, aber auf den Ton verzichte ich.
Und um Schlagzeug zu üben, muss es nicht klingen wie in der Festhalle.
Das ist Selbstverarsche. Es kann daheim nicht klingen wie in der Halle (es sei denn ich bin ein seltener Hallenbewohner). Also gehe ich beim Üben immer klangliche Kompromisse ein.
Um aber vernünftig meine Technik zu erkennen, muss ich hören, was ich spiele und nicht das, was mir ein zugeschalteter Apparat vorspielt. Das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem bei E-Drums daheim zum Üben. Ausschalten und Üben ist ok, aber mit Gottesbescheißerleklang dahinter wird man tatsächlich verleitet, beim Üben zu schludern, sowohl dynamisch also auch die sonstige Treffsicherheit.
Wem das egal ist oder wer meint, er möchte das Filigrane dann später mal nachholen, der kann es tun. Wer aber am Ende selbst klingen will, muss genau diesen Klang üben.
Und da ist ein Telefonbuch oder Karl May oder eben der Autoreifen zielführender. Mit der Zeit macht das auch Spaß. Umgekehrt hört bei E-Drums mit der Zeit der Spaß auf. Das ist das Trügerische.
Wer Geige lernen will, muss sich auch überwinden. Am Ende wird es schön. Aber bis dahin ...
Grüße
Jürgen
Der grund warum ich mir ein Schlagzeug kaufen möchte ist simpel, ich brauche ablenkung und ein neues Hobby
Die Kernfrage bleibt: soll das Hobby "Schlagzeug" oder "E-Drums" heißen?