Fitness hat mehrere Komponenten: Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Flexibilität, Koordination. Wer fit sein will, muss für alle Komponenten was tun. Die meisten Sportarten erfordern alle Komponenten, nur mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung.
Problem bei jedem Musikinstrument: sehr starke Beanspruchung einzelner Körperbereiche. So was ist immer ungesund, darum ist ein sehr ausgewogener Ausgleichssport sinnvoll. Also ein Sport, der möglichst alle, insbesondere aber die vernachlässigten Komponenten trainiert. Schlagzeugspielen selbst hat schon was mit Koordination zu tun. Mit Tempo zwar auch, aber nicht auf die Art wie im Sport (Sprint etc.). Reaktionsvermögen wie beim Tischtennis oder Badminton ist wieder was anderes, genauso, wie die schnellen Bewegungen dort etwas ganz anderes sind.
Fürs Schlagzeugspielen bringen diese Sachen also meist nicht sehr viel. Ausserdem erfordern sie ihrerseits wieder sehr spezifische Fähigkeiten. Anderes Thema sind das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit.
Näheres zu den Komponenten:
KRAFT: Krafttraining, muß nicht Muckibude oder Hantelbank zu Hause sein. Wer nicht gerade Schwerathlet werden will, kommt mit KRAFTGYMNASTIK aus.
AUSDAUER: alles Aerobe für den Kreislauf: Joggen, Squash, Schwimmen, Rudern, Fahrradfahren, auch die meisten Ballsportarten.
SCHNELLIGKEIT: Hat mit Kraft, Koordination, Technik und Talent zu tun. Beim Trommeln mit Bewegungstalent, Lockerheit und mit der richtigen Ausbildung der entsprechenden Muskulatur in jungen Jahren. Übt man am besten am Set oder will hier einer Sprinter werden?
FLEXIBILITÄT: Dehngymnastik
KOORDINATION: viele Sportarten, bei denen man neben einem Sportlerherz oder riesen Muckis noch Technik braucht, fördern das nebenbei: alle Ballsportarten, Turnen, Leichtathlethik Technikdisziplinen etc.
Für Drummer würde ich vor allem zu Kraft- und Dehngymnastik raten. Das ist am Wichtigsten als Ausgleich der sehr spezifischen Belastung beim Trommeln. Fürs allgemeine Wohlbefinden dazu noch ab und joggen, schwimmen oder Ballsportarten, wie Fuß-, Hand- oder Basketball.
Das ist langfristig wahrscheinlich wirkungsvoller gegen Sehenprobleme, als langes Aufwärmen (Frank). Situps sind scheisse und seit 25 Jahren wegen ihrer ruinösen Wirkung auf die Bandscheiben von Sportmedizinern verpönt (Maurice). Die Wirbelsäule ist kein Schaniergelenk, wie der Ellenbogen. Dementsprechend kann man die sie umgebende Muskulatur (vordere und seitliche Bauchmuskeln, Rückenstrecker) auch nicht mit Klappbewegungen trainieren. Besser sind Crunches: Auf den Rücken legen, Beine anziehen, anwinkeln oder auf einen Stuhl oder Gymnastikwürfel legen. Kopf LEICHT heben und dann den Bauch unter permanenter Spannung einrollen. Dabei den Rücken auf dem Boden lassen, nicht anheben. Situps übertrainieren nur den Hüftbeugemuskel, der wiederum zieht dann aufgrund seiner starken, einseitigen Ausbildung und weil er meist auch nicht richtig gedehnt wird und sich daher verkürzt, das Becken nach vorne. Das wiederum führt zum Hohlkreuz und das wiederum zur Überbelastung der Wirbel, das zu Rücken- und Kopfschmerzen etc.
Buch: Kempf, Hans-Dieter: Die Rückenschule, rowohlt, 2000, Euro 8,50
Leider mach ich das alles auch nicht oft genug, aber man sollte es, sonst geht es euch wie Buddy Ritch, den sie wärend des Konzertes wegen seiner starken Rückenschmerzen vom Hocker tragen und auf den Boden legen mussten. Ähnlich wie Sheila E., die musste das Schlagzeugspielen wegen Bandscheibenproblemen an den Nagel hängen. Jetzt spielt sie nur noch Percussion im Stehen.