Ich hab mal irgendwo einen Kommentar zum Stimmen von Schlagzeugen gelesen, der ernsthaft meinte, es käme bei Rock nicht so drauf an, dass das Schlagzeug gut gestimmt sei, schließlich sei es ja nur Rock. Für mich spricht aus so einer Aussage eine gewisse Arroganz.
Gehört nicht das Rumgeeier, das rummpellige Gedrumme im Stil junger unausgebildeter Drummer nicht authentisch zum Rock?
Diese Arroganz unterstelle ich deiner Frage natürlich nicht. Aus meiner Sicht gehört das rumpelige zur Anfangszeit des Rock durchaus dazu, aber dann hat eine Professionalisierung eingesetzt. In frühen Rockproduktionen hört man manchmal einen Drummer, der swingt, während die anderen gerade 8tel spielen.
Bereits Mitte der 1960er kamen Bands wie Pink Floyd oder Deep Purple hoch und haben deutlich weniger rumpelig gespielt, Led Zeppelin finde ich auf den Studioplatten auch nicht so rumpelig. Mir scheint das eine typische Entwicklung zu sein, die auch in anderen Genres beobachtet werden kann. Etwa im Grunge kam erst Nirvana mit einer eher rumpeligen, fast schlampigen Art daher, aber dann folgten andere mit exakterer Spielweise, wie etwa Soundgarden.
Da führt mich zurück zur ursprünglichen Frage: was ist authentisch?
Ich finde es besonders authentisch, wenn man vermitteln kann, dass man die Musik, die man spielt, selbst wirklich mag.
Bei dieser Aussage gehe ich mit. Wenn du die Musik magst und fühlst, die du spielst, dann ist es authentisch.
Mein Vater hat etwa mit Mitte 50 (so alt bin ich jetzt) angefangen, Schlagzeug zu spielen, als ich mal eins meiner Sets nicht unterbringen konnte und es bei meinen Eltern im Keller abgestellt hatte. Er hatte weder Spieltechnik noch irgendwelche anderen Kenntnisse, aber sein Swing klang, wie er muss. Das war die Musik seiner Jugend, Lionel Hampton und Dizzie Gillespie waren seine Helden, und so spielte er einen glaubwürdigen Swing, den ich nie erreicht habe, weil das nun mal nicht meine Musik ist.