Folgt man den theoretischen Ausführungen von Sonor - das Interview muss ich nochmal raus suchen - zu einer optimalen Klangentfaltung einer Trommel, will man keine Vintage-Ringe und einen möglichst steifen Kessel, damit die Luftsäule uneingeschränkt zwischen den Fellen hin und her wandern und Klang erzeugen kann. Der Kessel soll ja möglichst wenig mit schwingen, da das die Luftsäule bremst.
(Mal ganz laienhaft wiedergegeben)
Mich schaudert's ein wenig, wenn ich das lese.
Die Luftsäule schwingt sowieso zwischen den Fellen, da machen ein paar Verstärkungsringe nicht wirklich was aus. Insbesondere wo die relevanten Wellenlängen ohnehin größer sind als der Kessel Platz bietet.
Was man bei so einem dicken Kessel bekommt, ist eine laute Trommel, weil, da stimmt die zitierte Behauptung von Sonor, eine schwere Trommel weniger Energie aus dem Schlag aufnimmt (und somit weniger schwingt), als eine leichte. Das bedeutet aber nicht, dass man mehr Klang bekommt, sondern vorwiegend mehr Attack und Punch. Deswegen beschwere ich für Aufnahmen gerne mal eine Bassdrum mit hineingelegten Steinen. Die Energie kommt einfach schneller wieder raus und die Trommel drückt klanglich mehr.
Wer aber nach dem warmen Klang von Vintage Schlagzeugen sucht, der braucht leichte Trommeln mit dünnen Kesseln. Die sind automatisch auch leiser, weil, siehe oben.
It was found that the drumshell doesn't contribute to the sound of the drums.
Das ist leider falsch. Da hat ein Marketingmensch die Wissenschaftler falsch verstanden und sein Halbwissen zu Papier gebracht.
Was stimmt ist, dass der Kessel selbst praktisch keinen Schall abstrahlt. Aber selbstverständlich hat er als Teil des schwingenden Systems Trommel einen Anteil an der Klangentstehung, wie ich oben bereits schrieb.
"The shell must not vibrate, in order not to deprive vibration energy of the drumhead by its own vibration. The shell must have a high flectional resistance; the higher the flectional resistance, the less chance of the shell producing its own vibrations.
Das ist so 1980er. Man findet dieses Konzept bei Sonor Phonic und Signature in Produkte übersetzt. Man macht den Kessel einfach so schwer, dass der die eingehende Energie quasi reflektiert und alles sofort wieder herauskommt.
The shell must have a great mass, thus making the decay of the drum sound to a large extent independent from the way it is fixed to holders or stands.
Es gibt eine Arbeit von Dr. Ingolf Bork aus den 1980ern, in der er das Ausschwingverhalten von Trommeln in Abhängigkeit von der Einstecktiefe der Trommel auf dem Halter untersucht. Die Handzeichnung darin zeigt ein Phonic Tom.
Das Ausschwingverhalten ändert sich mit der Einstecktiefe signifikant, was Dr. Bork mir der mechanischen Impedanz der Anordnung erklärt. Dann hat er im Experiment die Trommel massivbeschwert und so die mechanische Impedanz der Anordnung verändert. Die Folge war ein von der Einstecktiefe nahezu unabhängiges Ausschwingverhalten.
Man kann aber auch die mechanische Impedanz durch Entkoppeln verändern, wie mit RIMS oder anderen Freischwingaufhängungen. Allerdings mit dem "Nachteil", dass der Kessel dann mitschwingt und die Schlagenergie teils nicht in Schall umgesetzt wird.