Wie schafft man ein "musikalisches Metronom" in klassischer Musik?

  • Oder zumindest müssten die Orchesterleute zu Hause mit einem solchen Beat (oder dem Metronom üben), was sie wohl nicht tun ...?

    Das verbessert sich dann nicht gleich über Nacht, würde aber bestimmt zum einen oder anderen Aha-Erlebnis führen.

    Geübt wird bei der Probe! Ist doch klar 😁



    Mehr wollte ich eigentlich nicht beitragen. Das mit den 8eln ist sicherlich hilfreich.

  • Hallo,

    ich hab das Ding auch schon gespielt, an den Pauken, aber im symphonischen Blasorchester ( nahezu Oberstufe ).

    Das ist schon nicht leicht die Spannung das ganze (lange) Stück über aufrecht zu halten. Das steht und fällt m.M.n. aber mit dem Dirigenten.

    Wenn der das schon so lasch Dirigiert wie im oberen Video, dann spielen alle auch so ( das spielt sich viel im Unterbewusstsein ab ).

    Wenn der Diri aber von der Haarwurzel bis zum kleinen Zeh "unter Spannung steht" überträgt sich das. Und nur dann wird das richtig gut !


    Gruss Achim

  • Hallo,


    zu den Videos:

    Beitrag #2 - 1. Video: klingt relativ marschmäßig, sehr stramm. Offenbar hat man die Truppe auf den Schlag trainiert.

    Das 2. Video liegt ein bisschen im Spannungsfeld von Gaspedal und Handbremse, die Akkordeons klingen weicher, die Pauken leider härter.

    Beitrag #12: klingt deutlich harmonischer trotz der dynamischen Verflachung.

    Beitrag #16: 1. Video: bislang sauberste Lösung, allerdings sind die Leute viel sicherer im Instrumentenumgang.

    2. Video: ja, es geht auch nur mit Schlagwerk. Und vielleicht sogar besser?

    3. Video: Geschmackssache. Modern, schöne Streicher, aber viel Elektrogedöns, was das ganze Werk verflacht und billig-nervig macht.


    Wenn der das schon so lasch Dirigiert wie im oberen Video, dann spielen alle auch so ( das spielt sich viel im Unterbewusstsein ab ).

    Wenn der Diri aber von der Haarwurzel bis zum kleinen Zeh "unter Spannung steht" überträgt sich das. Und nur dann wird das richtig gut !

    Grundsätzlich ist das auch meine Erfahrung.

    Ich erlebte und erlebe es stets wieder, dass ein anfangs grausames Orchester relativ schnell erstaunlich gut klingen kann und

    andere mittelprächtige Orchester über die gesamte Übezeit hin mittelprächtig bleiben.

    Und was fällt auf: in der Tat hat die musikalische Leitung die Möglichkeit, etwas zu tun oder eben auch nicht.


    Und schlimmstenfalls muss dann von hinten der Notarzt kommen. Der kann aber auch nicht alles reanimieren, was schon gestorben ist.


    Grüße

    Jürgen

  • Das möchte ich von unserem Dirigenten eigentlich nicht behaupten. Er ist stehts bemüht, einem manchmal "toten Haufen" hinten rein zu treten. Aber wenn der musikalische Horizont halt nur ein Abend in der Woche für maximal 2 Stunden weitergebildet wird, ist es manchmal schwierig, musikalisch und ohne Notarzt zu bleiben...


    Am Mittwoch war die Generalprobe, ich habe mich gegen Bumm-Tschack gewehrt - wobei die Intention des Dirigenten eher war, was auf der Snare dazu zu machen. Spontan habe ich ihm dann ein Tambourin präsentiert, welches ich für ein anderes Stück bereits neben den Pauken auf einem Stativ montiert habe. Ich fand das trotz der Präsenz irgendwie dann doch am passendsten und wir haben es uns dann einfach als geeignet für den "tänzerischen" Charakter des Palladio zurechtinterpretiert. Ich spiele das jetzt sehr dezent mit den Fingern und kann immer noch die Paukenstimme spielen. Ich baue auch einige Pausen ein, damit man denken könnte, das gehört so und ist nicht nur ein Metronom.

    Und was dann zutage kam, war enorm: Ich hatte ein Metronom mit optischem "Klick" auf meinem Notenpult und stellte fest, dass die Spieler/innen an einigen Stellen sogar dazu neigen, dem gesetzten Tempo wegzueilen. Also von wegen "wir werden immer langsamer" ohne Taktgeber. Das Gegenteil war der Fall. Manche Teile blieben selbst ohne Tambourin stabil. Ich wagte zu behaupten, und sprach es auch laut aus, dass der Tempoverlust nur ein Eindruck ist. Wundert mich bei unserem Dirigenten tatsächlich ein bisschen - aber die Probesituation war in den letzten Wochen auch nicht immer ganz einfach durch einige Fehlzeiten einzelner Teilnehmer.

    Nun werde ich das Teil am Samstag halt irgendwie "nach Gusto" mit Schellenkranz-Geklicker anreichern. Falls jemand eine Aufnahme macht, kann ich die euch vielleicht später zumuten.

    Four on the floor sind zwei zu viel.

    SONOR Vintage Series: 20", 22" BD; 14" Snare-Drum; 10", 12" TT; 14", 16" FT

    PAISTE 2002, 2002 Big Beat, 602 Modern Essentials, PstX

    Next Gigs: 22.03.25 Heimathafen Lörrach, 17.05.25 Mehlsack Emmendingen mit >> Blackwood Mary

    >> Mein Vorstellungsthread

  • Falls jemand eine Aufnahme macht, kann ich die euch vielleicht später zumuten.

    Das wär tatsächlich interessant. Letztendlich läuft es in Freizeitensembles halt immer auf Kompromisse raus. Wo die liegen und wie hoch die Ziele gesteckt sind, wird häufig schon bei der Gründung eines Ensembles festgeschrieben.


    So nebenbei, mir scheint, je jünger ein Orchester ist, umso höher scheinen die Chancen, dass die Ziele echte Qualität beinhalten. Zumindest waren die "Traditionsorchester" oder -chöre häufig die mit dem niedrigsten Level. Nur mein Eindruck?

  • So nebenbei, mir scheint, je jünger ein Orchester ist, umso höher scheinen die Chancen, dass die Ziele echte Qualität beinhalten. Zumindest waren die "Traditionsorchester" oder -chöre häufig die mit dem niedrigsten Level. Nur mein Eindruck?

    Ein bisschen schon. "Junge" Musiker haben halt heutzutage meist auch die bessere musikalische Ausbildung. Es gibt aber immer die, für die das ganze per eigener Definition "nur Hobby" sein soll. Und das ist aber eine andere Hobby-Stufe als unsereiner hier. Die haben z. B. auch kein GAS, das Instrument ist meist mehrere Jahr(zehnt)e alt und nicht selten wird man erst dann zum Thomann-Kunden, wenn der alte klapprige Notenständer doch mal ersetzt werden muss.

    Four on the floor sind zwei zu viel.

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    >> Mein Vorstellungsthread

  • Falls jemand eine Aufnahme macht, kann ich die euch vielleicht später zumuten.

    Das wär tatsächlich interessant.

    Konzert vorbei, Aufnahme gibt's leider oder auch zum Glück keine. Das Palladio entwickelte beim Auftritt trotz der guten Generalprobe seine ganze Eigendynamik. Zwar hatte ich ein optisches Metronom auf meinem Pult liegen und gab dem Dirigenten wie abgesprochen 4 Schläge durch leichtes unauffälliges Nicken vor, der hat das Tempo dann aber völlig falsch übernommen und im Verlauf des Stückes wurden wir mal schneller, mal langsamer - weil es eben eine Wunschvorstellung ist, wie ich immer wieder sage, dass der Schlagzeuger ein Tempo vorgibt oder auch gar mitklopft, und alle spielen darauf. Wer zuhause nicht mit Metronom übt, der kann beim Auftritt auch nicht plötzlich danach spielen, schon gar nicht wenn der Klick nur theoretisch in der Luft liegt und nicht zu hören ist.

    Daran änderte auch das Tambourin-Geschätter nichts, außer dass es mir noch peinlicher war als gedacht - habe ich doch schon gleich zu Beginn des Konzerts das erste Stück "Highland Cathedral" dermaßen verhauen, dass es mit der Ruhe dahin war. Weiter geht's im Galeriethread...

    Four on the floor sind zwei zu viel.

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  • Falls jemand eine Aufnahme macht, kann ich die euch vielleicht später zumuten.

    Das wär tatsächlich interessant.

    Konzert vorbei, Aufnahme gibt's leider oder auch zum Glück keine. Das Palladio entwickelte beim Auftritt trotz der guten Generalprobe seine ganze Eigendynamik. Zwar hatte ich ein optisches Metronom auf meinem Pult liegen und gab dem Dirigenten wie abgesprochen 4 Schläge durch leichtes unauffälliges Nicken vor, der hat das Tempo dann aber völlig falsch übernommen und im Verlauf des Stückes wurden wir mal schneller, mal langsamer - weil es eben eine Wunschvorstellung ist, wie ich immer wieder sage, dass der Schlagzeuger ein Tempo vorgibt oder auch gar mitklopft, und alle spielen darauf. Wer zuhause nicht mit Metronom übt, der kann beim Auftritt auch nicht plötzlich danach spielen, schon gar nicht wenn der Klick nur theoretisch in der Luft liegt und nicht zu hören ist.

    Daran änderte auch das Tambourin-Geschätter nichts, außer dass es mir noch peinlicher war als gedacht - habe ich doch schon gleich zu Beginn des Konzerts das erste Stück "Highland Cathedral" dermaßen verhauen, dass es mit der Ruhe dahin war. Weiter geht's im Galeriethread...

    Oh, das muss schwierig für Dich gewesen sein! Ich hoffe, Du nimmst das nicht zu schwer geschweige denn persönlich. Der Dirigent ist das wohl zu naiv rangegangen und hat es beim Konzert dann nicht halten können.


    Du hast auf alle Fälle was gelernt, oder?

    Rogers, Gretsch und Toontrack beherrschen mein Leben!

  • Guten Morgen,


    ganz klar: es ist halt so, wenn die Truppe mehr semi als profi ist.

    Vom Dirigenten hätte ich schon erwartet, dass er die Katastrophe vorhergesehen hätte.

    Andererseits: das Leben ist ein Abenteuer und man lernt ja auch viel von solchen Missgeschicken.

    Würden alle mal mehr auf die Trommler hören, dann wäre mancherlei Kapelle besser.

    Die guten sind die, die es schon tun. ;)


    Grüße

    Jürgen

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