Erste Hilfe für
Drums
Typisches Phänomen: Mitten im
Auftritt geht irgend was Kaputt, und man hat keinen Ersatz zur Hand.
Sowas bedeutet oft genug, das vorzeitige Aus, doch in vielen Fällen
lässt sich der Gig mit ein paar Handgriffen retten, solange man
weiß, wie.
Alte Hasen haben hier sicher ihre
eigenen Tricks und Kniffe, Drummer mit weniger Erfahrung und
vielleicht auch nicht ganz so professionellem Equipment sind aber
vermutlich froh über ein paar hilfreiche Vorschläge. Ich würde mich zu dem Thema ebenfalls über Ideen und Anregungen freuen, also lasst hören!
Die Tips sollten nicht als
Reparaturanleitungen missverstanden werden. Es geht hier nur darum
eine schnelle, provisorische Lösung zu haben, um den Gig zu Ende
spielen zu können. Nach dem Konzert sollte man den Kram dann
aber schnellstens in Ordnung bringen (lassen)! Klebebandreste gehen
am leichtesten wieder weg, wenn sie noch frisch sind
Zunächst mal ein paar
Handwerkszeuge, die ich in meinem Drummer-Erste-Hilfe-Koffer dabei habe:
Gaffa!!!!! (oder halt irgend ein Stabiles Bühnenklebeband)
Nylonschnur
ein altes Tom- oder Snarefell
etwas Gummischlauch
Beckenfilz oder Bügelflaschengummi,...
Ersatz-Stimmschraube
M8 Flügelmutter
Taschentuch
Kombizange
Cuttermesser
Kriechöl
einen alten Lappen
Ein paar Dinge sollten sowieso immer dabei sein:
der Teppich
Stimmschlüssel
mehrere Paar Sticks
Snare-Ersatzfell (im Idealfall auch für Reso)
Achja - ein Drumset
1. Der Untergrund
Vorsorge:
Der Untergrund muss (möglichst) eben und fest sein und sollte nicht wackeln. Ein guter Teppich (besonders in Verbindung mit Klettstreifen unter den Pedalen)
verhindert starkes "wandern" der Teile, so fällt auch nix vom Podest.
Erste Hilfe:
Was trotzdem wandert, kann mit Gaffa fixiert werden.
2. Die Hardware
Vorsorge:
Kaltes Equipment aus dem Auto sollte immer etwas Zeit zum aufwärmen haben. Erst auftauen, dann aufbauen! Beim Transport drauf achten, dass die Stangen nicht verbiegen konnen - benutzt ein Case! Feuchtigkeit vermeiden, nass bedeutet Rost.
Erste Hilfe:
Festsitzende Schrauben sehr vorsichtig mit einem Stick beklopfen, um sie zu lockern. Nur am Gewinde etwas Öl anträufeln. Öl auf den Klemmbereichen muss gründlich entfernt werden - sonst rutscht das Teil beim Spielen zusammen. Eine Zange hilft natürlich bei festen Schrauben, zerstört aber gerne den Chrom, also Vorsicht. Keine Schrauben mit einer Zange festziehen!
Ein zusammenrutschender Ständer, kann mit ein wenig Gaffa um das Tauchrohr (das kleinere bei ineinander gesteckten Rohren) gestoppt werden.
Ein Galgen ohne Zähne im Gelenk, neigt zum Absinken. Auf der Gegenseite mit Gaffa ein Zugseil zum Ständerrohr improvisieren, müsste eigentlich reichen, um
weiteres kippen zu verhindern.
Gerade bei älterer und mangelhafter Hardware, die dann noch sehr viel und sehr schwer belastet wird, kommt es schon mal zur finalen Materialermüdung.
Gebrochene Ständer bedeuten leider, dass das Teil, das dran hing, jetzt im Arsch ist. Kauft solide Hardware... Ein Beckenstativ lässt sich mit dem oberen Teil des kaputten Stativs, ner Halterklemme und einem Mikrofonständer improvisieren. Sollte nicht zu schwer belastet werden.
3. Becken
Vorsorge:
Becken sind sehr empfindlich, auch im Loch! Transport nur in nem Case! Vermeidet immer Kontakt zu
Metallteilen und anderen harten Dingen wie z. B. Steinen, Betonfußboden,... Nicht auf die Kante stellen, alle Kanten sind Schwachstellen.
Sollte man den Schoneraufsatz am Beckenständer verloren haben, niemals das Becken ungeschützt an die Schraube hängen. Gegen Stahl verliert jede Messing- oder Bronzelegierung. Es entstehen Keyholes und Risse.
Erste Hilfe:
Stativ ohne Beckenschoner? Über das Gewinde ein Stückchen Gummischlauch stülpen und Flaschengummis oder echte Ersatzbeckenfilze benutzen, um den Kontakt
"Becken-Stahl" zu vermeiden. Ist die Flügelmutter abhanden gekommen? Meine Stative haben ein M8 Gewinde. Checkt mal, welches Gewinde ihr am Beckenhalter habt und besorgt euch ne passende Geflügelmutter. Wenn man keine passende Mutter hat, macht man sich aus Gaffa einen dünnen, langen Streifen und wickelt den um das obere Ende des Gewindes, bis das Becken nicht mehr rausspringen kann.
Wenn im Gig ein Becken reißt, ignorieren und weiterspielen! Das Becken ist jetzt eh hin, Erste Hilfe gibt es da nicht und auch ausfräsen hilft nicht wirklich.
Man kann es natürlich entlasten, damit es weniger stark weiterreißt. Es klingt vermutlich etwas trashig, wird aber kaum auffallen. Spiel den Gig zu Ende und spar auf neue Becken.
4. Trommeln und Felle
Vorsorge:
In Cases transportieren. Taschen sind an sich auch ok, bieten aber deutlich weniger Schutz. Wenn man keine Cases hat, sind Pappkartons immer noch besser als nix. Trommeln zum Transport nicht offen "Fell auf Fell" übereinander stapeln. Die Spannreifen können die Felle beschädigen und wenn man ganz viel Pech hat, haut man sich mit nem Spannreifen Macken in die Gratung der unteren Trommel. Bei einem hohen Turm aus Trommeln liegt einiges an Gewicht auf der untersten Trommel.
Das Snare-Resofell ist das dünnste Fell am Schlagzeug. Die Snare nicht auf die Resoseite legen. Steinchen, Kronkorken, etc... bohren sich leicht durch.
Wenn man die Snare unbedingt irgendwo ablegen muss, dann aufs Schlagfell. Besser ist es, sie direkt aus dem Case auf den Ständer und zurück vom Ständer ins Case zu legen. Hochkant stehende Snaredrums kippen gern mal um. Tomtoms kippen nicht so leicht, trotzdem vorsicht, wegrollen können sie ganz toll...
Bassdrumfelle haben 2 natürliche Schwachstellen: Der Punkt, an dem der Schlägel draufhämmert und das Loch im Resofell. Gegen den Schlägel kann man das Fell
mit einem "Falam" schützen, den man sich entweder kauft oder aus einem alten Fell und doppelseitigem Klebeband selbst bastelt. Diese Teile verändern natürlich den Klang des Fells. Weniger Fläche = geringere Klangveränderung. Vor der Einführung des Euros war es unter Metal-Drummern Mode, dort ein 5-Markstück auf das Fell zu kleben. (BTW - was nehmt ihr heute? 2 Eurostück? Fliegt da nicht irgendwann das Inlay raus?) Das hat zwar eher klangliche Gründe, schützt aber ebenfalls das Fell. Dabei muss aber drauf geachtet werden, dass die Münze vom Schlägel mittig getroffen wird. Ein seitlicher Treffer drückt sie mit der Kante ins Fell, was eher zur Lochbildung beiträgt. Vorher sollte man auch drauf achten, dass die Münze keinen scharfen Grat am Rand hat.
Das Loch im Resofell ist nicht dazu da, Gegenstände in der Trommel zu verstauen. Will man Decke oder Kissen rein tun oder raus holen, nimmt man dazu das Fell ab. Wie bei den Becken ist auch hier die Kante relativ empfindlich. Bei Mikrofonierung sollte man zumindest drauf achten, dass der Mikroständer nicht auf die Lochkante drückt. Generell lohnt es sich, einen Verstärkungsring im Musikgeschäft zu kaufen. Selber bauen kann man den zwar auch, aber da er voll im Blickfeld des Publikums sitzt, macht ein Maschinell gefertigter Ring einfach mehr her...
Wenn man sich selbst ein Loch in das Resofell schneidet, ist die Reiß-Gefahr größer, als bei maschinell geschnittenen Löchern.
Erste Hilfe, gerissenes Fell,
Bassdrum:
Resofell: Mit Gaffa sichern, damit es nicht so rasselt. Ist nicht so wild - Klingt nur unschön.
Schlagfell: Fell etwas entspannen. Das alte Fell aus dem Erste-Hilfe-Koffer nehmen, die Folie möglichst großflächig aus dem Metallring schneiden.
Das gerissene Bass-Fell von innen mit Gaffa flicken. Von außen das ausgeschnittene Fell auf das Bassdrumfell kleben und mit reichlich Gaffa ringsum sichern. Dabei sollte das aufgesetzte Fell möglichst weit über den Riss hinaus ragen. Fell nicht zu fest spannen. Viel Rebound kann man jetzt nicht mehr erwarten,
schnelle Bassdrumfiguren sollte man sich sparen. Der Unfall ist schon sehr übel. Die Reparatur dauert etwas, das Fell klingt jetzt
richtig scheiße und sehr lange wird es auch nicht halten. Um den Gig zu beenden müsste es gehen. Besser nicht zu fest reintreten...
Erste Hilfe, gerissenes Fell,
Snaredrum:
Schlagfell: Ersatzfell verwenden. Wenn man kein passendes Fell hat, kann man es ähnlich reparieren, wie bei der Bassdrum - besser ist es aber ein
(hoffentlich vorhandenes) entsprechend großes Tomtom zu opfern und als Organspender zu mißbrauchen. Klingt vermutlich akzeptabel.
Resofell: Ersatz-Resofell benutzen! Sonst große Scheiße. Das Ersatz-Schlagfell kann man verwenden, klingt aber grottenschlecht, weil Snare-Resos für
die Teppichansprache sehr dünn sein müssen. Wenn der Riss nicht zu groß ist, besser die Spannung senken, mit Gaffa flicken und beten! In den meisten Fällen, in denen ich ein gerissenes Snare-Resofell miterlebt habe, war das das Ende des Konzerts. In den übrigen Fällen gab es eine Ersatz-Snare. Das Wechseln des Fells ist durch den Snareteppich natürlich aufwändig und kostet Zeit.
Erste Hilfe, Snareteppich: Solange es nur einzelne gerissene Spiralen betrifft, muss man nur drauf achten, dass die Reste davon nicht in das Resofell stechen können, sonst reißt es möglicherweise, was ein viel schlimmerer Unfall wäre. Runter hängende Spiralen kneift man vorsichtig mit der Zange ab, spitze Reste biegt man mit der Zange vorsichtig vom Fell weg.
Gerissene Schnüre oder Kunststoffstreifen ersetzt man mit Nylonschnur.
Einen komplett gerissenen Teppich habe ich noch nicht erlebt. Da müsste man mal sehen, ob man die Reste des Teppichs mit etwas Gaffa so an das Resofell kleben kann, dass die Spiralen noch ein Rascheln erzeugen können. Anderer Vorschlag: Legt die Teppichreste innen aufs Reso-fell. Ganz ohne Teppich gehts
natürlich auch. Klingt nur nicht nach Snare.
Erste Hilfe, gerissenes Fell, Tom:
Wieviele Toms hast du am Set? Wieviele brauchst du? Fill-Ins kann man auch auf der Snare spielen Bevor man deswegen nen großen Aufwand startet, macht man sich besser erst klar, wie wichtig dieses Tom wirklich ist. Kann man es einfach weglassen? Wenn nicht, war es hoffentlich das 14er Tom - und man hat
ein 14er Ersatz-Snarefell dabei! Nicht? Zieh das Resofell nach oben und spiel es als Concert-Tom.